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title: "«Redet nicht übereinander, sondern miteinander!»"
author: "Kulturtröckli-News"
published: 2026-09-26
region: "Uzwil"
canonical_url: https://uzwil.regioticker.ch/article/26-09-26-redet-nicht-ubereinander-sondern-miteinander
publisher: RegioTicker
image: https://i0.wp.com/www.kulturnotizen.ch/wp-content/uploads/2026/09/Gemeinsame-Fuerbitten.jpg?resize=1140%2C641&ssl=1
---# «Redet nicht übereinander, sondern miteinander!»

**Zum ersten Mal luden die politische Gemeinde Oberuzwil sowie die auf Gemeindegebiet vorhandenen Religionsgemeinschaften zu einer gemeinsamen Feier ein. Diese war auf allen Kanälen klar als «interreligiöse Feier» ausgeschrieben worden, eine Erweiterung zu den früher üblichen ökumenischen Bettagsfeiern. In der reformierten Kirchgemeinde gibt es zudem seit einigen Jahren einen vorgezogenen Bettag mit einer Abendmahlsfeier.**

Es waren alle in der Gemeinde ansässigen Gemeinschaften angefragt worden. Die Neuapostolische Kirchenleitung musste wegen Terminschwierigkeiten absagen. Nebst René Schärer – **[evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Oberuzwil-Jonschwil](https://www.ref-oberuzwil.ch/bericht/702)** – und Ingrid Krucker-Manser der **[Kath. Kirche Oberuzwil und Bichwil](https://www.kath-uzwil.ch/pfarreien/oberuzwil/kirche-ou)** -in Teilzeit auch im bischöflichen Regensamt St.Gallen tätig – nahm auch Enes Hümam Kaymak, Jugendpräsident Männer – und ausgebildeter Germanist – von der **[Islamischen Gemeinschaft Oberuzwil](https://sig-oberuzwil.ch/)** an der Feier teil. Gemeinderat Fabio Wagner war als Verbindungsglied zwischen Gemeinde und religiösen Körperschaften ebenfalls dabei.

**Begrüssung zeigte bereits Vielfalt auf**

Ingrid Krucker begrüsste die ansehnliche Festgemeinde mit einem katholischen Kreuzzeichen. Sie stellte dabei zweierlei Möglichkeiten vor: Das kleine Kreuz – Kreuz auf Stirn, Mund und Brust – bedeutet « verstehen, verkündigen, verinnerlichen». Diese Geste wird vor Beginn der Verkündigung des Evangeliums gemacht. Das grosse Kreuz symbolisiert den Glauben an den dreifaltigen Gott (Vater, Sohn und Heiliger Geist) und wird in dieser Reihenfolge ausgeführt: Stirn: «Im Namen des Vaters…» – Brust: «…und des Sohnes…» – Linke Schulter: «…und des Heiligen…» rechte Schulter: «…Geistes. Amen.»

Enes Kaymak führte aus, dass gläubige Muslime vor jeder Handlung während des ganzen Tages mit «Bismillāh ir-Rahmān ir-Rahīm» – «Mit dem Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen» um den Beistand Gottes bitten. Und Pfarrer René Schärer wählte die Worte: «So richten wir uns aus auf das, was grösser ist als wir, auf den Grund, der uns trägt und Türen für uns und unser Zusammenleben öffnet.»

**Musikalische Begleitung**

Die Musikgesellschaft **[MGBO](https://mgbo.ch/)** sowie die Band «The Founders» der **[Musikschule Oberuzwil-Jonschwil](https://www.schulen-js.ch/msoj/1218)** bereicherten mit gehörfälligen Musikstücken die Feier.

Mit einem zünftigen Marsch schloss die MGBO ihren musikalischen Part. Danach legten sich die Founders noch einmal richtig ins Zeug, auch die beiden Sängerinnen liefen zu Höchstform auf. Es gab nach jedem Stück herzlichen Applaus.

**Dialog als Thema**

Das Bettags-Team hatte das Thema «Dialog» als Grundlage für die Feier gewählt. Zuhören ist das Wichtigste bei einem Gespräch. Respekt und Wertschätzung der Meinung des Gegenübers sind Grundvoraussetzungen für ein gutes Miteinander, auch wenn unsere Herkunft, unsere Kultur und unser religiöses Leben völlig unterschiedlich sein können. Dialog bedeutet ja gerade nicht, dass man seinen eigenen Glauben aufgeben muss. Wenn ich meine eigene Haltung kenne, kann ich aber auch andere Sichtweisen stehenlassen. Manchmal ist schon viel gewonnen, wenn ich nach einem Gespräch sagen kann: «Ich sehe es zwar anders – aber jetzt verstehe ich besser, warum du so denkst.» Vieles kennt man oft nur vom Hörensagen, erfährt etwas aus den Schlagzeilen der Presse, was zu Vorurteilen führt.

**Gemeinsame Fürbitten – von links . Enes Hümam Kaymak, Islamische Gemeinschaft Oberuzwil; Ingrid Krucker-Manser, katholische Kirche; René Schärer, evangelische Kirche und Gemeinderat Fabio Wagner**

**Synodaler Prozess**

Seit 2021 gibt es auf Anstoss von Papst Franziskus einen synodalen Prozess. Dabei wird an einer Sitzung zuerst gemeinsam geschwiegen und dazu still gebetet. Danach gibt es drei Minuten Redezeit für alle an der Sitzung Beteiligten. Wer weniger Zeit braucht, bleibt einfach ruhig sitzen, bis die Zeit um ist. Erst in einer zweiten Runde wird an das Gehörte angeknüpft. Und erst danach beginnt die Entscheidungsfindung, die meistens plötzlich leichtfällt.

**Reformierte Erkenntnisse**

Pfarrer René Schärer erinnerte daran, dass auch die reformierte Kirche viel von den Ritualen der katholischen Kirche in den Gottesdienst zurückgebracht habe, so den Gebrauch von Kerzen, das gemeinsame Beten oder gemeinsam gesungene Kehrverse bei den Fürbitten. Das stärkt das Gespür für die Gemeinschaft. Voneinander lernen beugt ausserdem vielen Vorurteilen vor. Der Seelsorger führte auch aus, dass die Bibel ein Buch der Vielfalt sei. Viele Geschichten würden aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, man denke nur an die vier Evangelien. Dabei werde nicht einfach Geschichte ausradiert, sondern vielmehr Neues angefügt.

**Und die Politik?**

Fabio Wagner bedauerte, dass es in der Politik leider immer mehr zu einer Polarisierung komme, weil man sich viel zu wenig zuhöre. Dabei müsste gerade in unserer direktdemokratischen Nation der Dialog das wichtigste Mittel zu guten Kompromissen sein. Der Oberuzwiler Gemeinderat bemüht sich allerdings sehr, alle Stimmen aus der Bevölkerung anzuhören, so beispielsweise bei den Sanierungsplänen der Badi Ghürst. Das Motto heisst: «Wir sind gemeinsam unterwegs.» Wenn verschiedene Ansichten und Blickwinkel in eine Entscheidung einfliessen, entstehen sehr viel bessere Lösungen als Verordnungen «von oben». Wagner rief dazu auf, sich für die eigenen Anliegen einzusetzen, sich einzubringen und so Entscheidungen auch gut mittragen zu können.

**St.Galler Erklärung**

Auf Initiative des Kantons St.Gallen wurde 2005 im Rahmen des Projekts «**[ida](https://www.sg.ch/gesundheit-soziales/soziales/integration/zusammenleben/interreligioeses-zusammenleben/interreligioese-dialog--und-aktionswoche-ida.html)**» die **[St.Galler Erklärung](https://www.sg.ch/gesundheit-soziales/soziales/integration/zusammenleben/interreligioeses-zusammenleben/st-galler-erklaerung.html)** angestossen. Sie kann im Wortlaut auf dem Internet nachgelesen werden. Neun Glaubensrichtungen haben diese Erklärung bis heute unterzeichnet. Ein wichtiger Punkt darin: «Wir sind offen dafür, dass Religionsgemeinschaften im Gespräch und im Zusammenleben miteinander Wahrheiten entdecken, weitergeben und empfangen». In einer Murmelrunde wurden darauf Besucherinnen und Besucher ermuntert, sich zu Thesen aus dieser Erklärung auszutauschen. Per Smartphone konnten daraus hervorgegangene Stichworte über die App «Mentimeter» direkt an die Wand projiziert werden.

Enes Kaymak holte danach per Mikrofon Rückmeldungen aus den verschiedenen Murmelrunden ab.

**Dank und Wertschätzung**

Fabio Wagner dankte allen Helferinnen und Helfern, welche diese Feier erst ermöglicht hatten. Er wies auch auf die Kollekte für das Hilfswerk HELVETAS hin, welches sich vor Ort für die Opfer der Flutkatastrophe in Nepal einsetzt.

Anschliessend blieb bei einem feinen Apéro – vom **[Frauenverein Oberuzwil](https://www.frauenverein-oberuzwil.ch/)** liebevoll vorbereitet – Zeit, sich über das Gehörte auszutauschen. Dabei wurden auch Stimmen laut, dass man das Gesagte aus akustischen Gründen nur schwer habe verstehen können. Die für die Feier Verantwortlichen nehmen solche Rückmeldungen für weitere Anlässe dieser Art ernst und loten Verbesserungen aus. Der Anlass hat bestimmt manche Sichtweise etwas verändert.

**Ein paar Eindrücke vom gutbesuchten Apéro**

["Mein Kulturtröckli" von Annelies Seelhofer-Brunner](https://www.kulturnotizen.ch/)

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