In den vergangenen Jahren fand die ökumenische Bettagsfeier jeweils in einer der beiden Oberuzwiler Kirchen statt. Am Sonntag, 20. September 2026, wurde auf Initiative der Gemeinde Oberuzwil mit der interreligiösen Feier in der Mehrzweckanlage Breiti nun Neuland betreten. Vertreter der beiden christlichen Konfessionen und des Islams gestalteten den Anlass gemeinsam.
Die Zahl der Besucherinnen und Besucher blieb überschaubar. Dennoch werteten die Mitwirkenden die Premiere als wichtigen ersten Schritt auf dem Weg zu einem verstärkten interreligiösen Austausch.
Miteinander statt übereinander reden
Ingrid Krucker von der katholischen Kirche, René Schärer von der evangelischen Kirche und Enes Kaymak von der Schweizerischen Islamischen Gemeinschaft unterstrichen in ihren Gebeten und Beiträgen die Bedeutung des Miteinanders. Auch wenn zwischen den Religionen klare Unterschiede bestehen, gebe es zahlreiche verbindende Werte.
Das gegenseitige Kennenlernen sei eine wichtige Voraussetzung für mehr Verständnis. Eine zentrale Botschaft lautete deshalb: «Miteinander reden, nicht übereinander reden.» Eine weitere Erkenntnis des Vormittags wurde mit den Worten zusammengefasst: «Die Unterschiede sind klein, die Gemeinsamkeiten gross.»
Ingrid Krucker zeigte am Beispiel des synodalen Gesprächs auf, wie mehr gegenseitiges Verständnis entstehen kann. Wenn sich die Beteiligten genügend Zeit nähmen, unterschiedliche Ansichten und Argumente anzuhören und zu reflektieren, könnten tragfähigere Entscheidungen und bessere Lösungen gefunden werden.
Die Mitwirkenden teilten die Freude darüber, mit der Feier ein Zeichen für ein respektvolles Zusammenleben gesetzt zu haben.
Bevölkerung einbeziehen
Gemeinderat Fabio Wagner, der den Anlass moderierte, schloss den ersten Teil der Feier mit einem Blick auf die politische Gemeinde ab. Er sprach über die verstärkte Einbindung der Bevölkerung bei der Suche nach Lösungen und über die Bedeutung offener Ohren und Augen – sowohl in der Schweiz als auch in der Gemeinde Oberuzwil.
Im zweiten Teil des Vormittags wurde die «St.Galler Erklärung für das Zusammenleben der Religionen und den interreligiösen Dialog» vorgestellt. Das Dokument war nur wenigen der Anwesenden bekannt. Es formuliert Grundsätze für ein respektvolles Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeit und wurde von den Unterzeichnenden selbst erarbeitet.
Einzelne Bereiche der Erklärung wurden in Gruppen diskutiert. Zudem konnten die Teilnehmenden über ihre Smartphones Rückmeldungen zu den angesprochenen Fragen geben. Dabei kamen unter anderem Toleranz, gegenseitiger Respekt und die Gleichberechtigung der Frau zur Sprache.
Auch Musik verbindet
Bevor der persönliche Austausch beim Apéro fortgesetzt wurde, dankte Fabio Wagner allen Teilnehmenden und Mitwirkenden. Sein besonderer Dank galt der Musikgesellschaft Bichwil-Oberuzwil unter der Leitung von Dominik Eugster sowie der Band «The Founders» der Musikschule Oberuzwil-Jonschwil, die für die musikalische Gestaltung der Bettagsfeier sorgten. «Auch Musik verbindet», hielt Fabio Wagner zum Abschluss des offiziellen Teils fest.
Der vom Frauenverein Oberuzwil organisierte Apéro bot anschliessend Gelegenheit, die begonnenen Gespräche in ungezwungener Atmosphäre weiterzuführen.
(Text und Bilder: Jürg Grau)


