«Welche Herausforderungen warten? Wo sind Chancen, Risiken, Pflichten und Verantwortungen? Welches Ressort würde ich übernehmen? Stehen mir meine Engagements, früher als Finanzchef des Geschäftszentrums, jetzt als Präsident des EHC, irgendwie im Weg – oder steht mir das Mandat als Gemeinderat bei meiner Tätigkeit für den Hockey-Sport im Weg? Und: Wie gehe ich damit um, allenfalls nicht gewählt zu werden? Diese und andere Fragen habe ich mir im Vorfeld gründlich überlegt» meint Philipp Herzog rückblickend.

Erfahrung in der GPK

Während acht Jahren engagierte er sich vorher als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission. «Ich hatte über dieses Engagement Einblick in die Protokolle des Gemeinderates und damit in die Geschäfte, in die Abläufe und Prozesse. Aber kein vollständiges Bild. Wie laufen die Diskussionen im Gemeinderat? Wie gestaltet sich das Ringen um Lösungen, das Abwägen, der Umgang mit unterschiedlichen Meinungen und Emotionen? Und: Will ich mich einbringen, meine Haltungen vertreten, Entscheide mittragen? Unabhängig davon, ob ich sie persönlich teile? Ich habe mich damals dafür entschieden und bin zur Wahl angetreten.»

Selber mitwirken

Der Schulraum war für Philipp Herzog einer der Gründe, zu kandidieren. «Trotz vertieftem Einblick als GPK-Mitglied und den Informationen zur Abstimmungsvorlage blieben bei mir Fragen offen, insbesondere zu Alternativen, Standort und Kosten. Das hat mir den Entscheid erleichtert: Ja ich möchte künftig am Prozess teilhaben, mitwirken und am Gemeinderatstisch mitreden können.»

Mittendrin statt nur dabei

Und nach der Wahl? Vieles war für ihn ein Sprung ins kalte Wasser. Ihm wurde das Ressort «Soziales und Gesundheit» übertragen. «Das war in sämtlichen Belangen Neuland für mich. Die Unterstützung durch bisherige Ratsmitglieder, die Verwaltungsleitung und die Mitarbeitenden im Ressort haben mir geholfen. Dass der Ratsschreiber gleichzeitig auch mein Ansprechpartner für verschiedene Ressortfunktionen ist, war ebenfalls hilfreich. So war ich sehr schnell mittendrin statt nur dabei.»

Thema Schulraum

«Und so war ich auch beim Schulraum jetzt quasi auf der anderen Seite. Das Abstimmungsresultat aufarbeiten, analysieren. Die Erkenntnis, dass bei einem Projekt dieser Grössenordnung die technische und finanzielle Qualität einer Vorlage ausreicht, die Notwendigkeit und das Bedürfnis, die Stimmbevölkerung aktiver in die Lösungsfindung und den Lösungsweg einzubeziehen. Die letzten beiden Jahre waren in dieser Thematik intensiv. Mein persönlicher Eindruck hat sich bestätigt, dass die damalige Kommunikation zu verschiedenen Themen nicht zufriedenstellend wahrgenommen wurde. Erfreulich für mich war, dass alle Involvierten mit grossem Engagement und Aufwand die Kritik ernst genommen haben, zugehört und daran gearbeitet haben, Fragen zu beantworten und die Bevölkerung mitzunehmen, sei es durch Veranstaltungen im Gemeindesaal, die Begegnungen in der Echogruppe oder an den Informationsveranstaltungen im Foyer. Gleichzeitig wurden die Erkenntnisse auf verschiedenen Kanälen, analog und digital, geteilt. Heute vertrete ich den Standpunkt, dass wir als Gemeinde unsere Hausaufgaben erfüllt haben. Wir haben einen Weg mit der Bevölkerung zurückgelegt, haben gerungen. Wer wollte, konnte seine Fragen beantworten lassen, sich einbringen und mitdiskutieren. Deshalb ist es jetzt, nach dem Resultat der ausserordentlichen Bürgerversammlung vom August für mich obsolet, nochmals Alternativen und Standorte zu thematisieren. Wir können uns nicht fast zwei Jahre auf Feld 1 bewegen.»

Alter als ein Schwerpunkt

«Schnell stellte ich fest, dass im Ressort «Soziales und Gesundheit» das Thema Alter einen hohen Stellenwert hat. Seniorenzentrum, Spitex, Pro Senectute – drei grosse Organisationen, bei denen ich mitverantwortlich bin, befassen sich damit. Wie können Menschen im Alter möglichst lange selbständig leben? Wie finanzieren wir als Gemeinde die für uns extrem steigenden Kosten der Pflegefinanzierung? Was ist sozialpolitisch sinnvoll, wirksam und langfristig finanzierbar? Meine Ressorttätigkeit berührt Fragen quer durch alle Themen. Finanzen, Bildung, Wohnen, Alter, Gesundheit, Migration, Familienpolitik und zunehmend auch die Frage, wie eine wachsende Gemeinde ihren sozialen Zusammenhalt erhält.»

Ärmel hoch

«Mich in die Themen einzuarbeiten, verlangte mir einiges an «Speuz» ab und erforderte Geduld der Mitarbeitenden im Ressort. Ich wurde sehr offen und gut aufgenommen und unterstützt. Ich habe vorab nicht erwartet, dass so viele Gestaltungsmöglichkeiten durch gesetzliche Rahmenbedingungen eingebremst werden. Veränderungen zu bewirken, dauert mitunter lange, besonders wenn mehrere Gemeinden involviert sind. Eine grosse Herausforderung für mich als Milizmitglied ist zuweilen, bei regionalen Themen an die notwendigen Informationen zu gelangen.»

Andere Welten

«Das Engagement in einer Exekutive ist eine andere Welt als im Geschäft und im Verein. Von aussen sieht manches einfacher aus. Vieles ist gesetzlich vorgeschrieben, auf Gemeindeebene besteht teils sehr wenig Spielraum. Antrieb des Rates ist, mit diesen engen Rahmenbedingungen das Bestmögliche für Uzwil zu erreichen. Dazu funktioniert die Zusammenarbeit im Rat gut. Vieles ist mit der Organisation ohne Parlament agiler und direkter möglich.»

Lohnt sich das Engagement?

War es der richtige Entscheid, für das Amt zu kandidieren? Philipp Herzog: «Definitiv. Die Aufgabe macht grossen Spass, ist herausfordernd aber auch immer sehr spannend. Und ich darf mit spannenden Menschen an der Entwicklung des Lebensraums und für das Wohl seiner Menschen arbeiten.»